Amazon-Großhandel: Lieferanten finden für FBA (2026)
Gute Großhandelslieferanten zu finden, ist der schwierigste Teil beim Aufbau eines Amazon-Großhandelsgeschäfts. Produkte lassen sich leicht finden. Schwieriger sind profitable Produkte von Lieferanten, die wirklich mit dir zusammenarbeiten.
Dieser Leitfaden zeigt bewährte Wege, seriöse Großhändler zu finden, was Lieferanten bei neuen Kunden erwarten und welche Warnsignale auf Betrug oder eine Sackgasse hindeuten.
Warum es schwierig ist, Lieferanten zu finden
Bevor du mit den konkreten Methoden loslegst, solltest du die Herausforderung verstehen.
Lieferanten brauchen dich nicht. Etablierte Großhändler haben bereits feste Beziehungen zum Einzelhandel. Ein neuer Amazon-Seller mit kleinen Bestellmengen ist für sie nicht besonders interessant.
Viele lehnen Amazon-Seller ab. Manche Marken und Großhändler erlauben keinen Weiterverkauf auf Amazon, weil sie ihre stationären Vertriebskanäle oder den Direktvertrieb schützen wollen.
Gute Lieferanten sind schwer zu finden. Die besten Großhandelsbeziehungen findest du nicht auf der ersten Seite bei Google. Sie entstehen durch Kontakte, Ausdauer und den Aufbau von Beziehungen.
Rechne mit Absagen. Wenn du dich bei 50 Lieferanten bewirbst, erhältst du vielleicht von 10 bis 15 eine Zusage und findest 3 bis 5, bei denen sich regelmäßige Bestellungen lohnen. Das ist normal.
Arten von Großhändlern
Nicht alle Lieferanten sind gleich. Wenn du die Unterschiede kennst, kannst du gezielter suchen.
Autorisierte Distributoren
Große Unternehmen, die Produkte verschiedener Marken kaufen und an Einzelhändler weiterverkaufen.
Beispiele: Essendant, S.P. Richards, United Stationers (Bürobedarf), KeHE, UNFI (Lebensmittel)
Vorteile: Große Produktauswahl, etablierte Abläufe
Nachteile: Konkurrenz bei den Produkten, Mindestbestellmengen, möglicherweise Einschränkungen für Amazon-Seller
Direkt von der Marke
Du kaufst direkt beim Hersteller oder Markeninhaber.
Vorteile: Beste Preise, möglicherweise exklusiver Zugang, engere Geschäftsbeziehung
Deine erste Kontaktaufnahme zählt. Lieferanten erhalten viele Anfragen. Heb dich ab, indem du:
klar und knapp schreibst
etwas über ihre Produkte weißt
gezielte Fragen stellst
professionell nachfasst, ohne aufdringlich zu wirken
Konkrete Kaufabsicht
Lieferanten suchen Käufer, keine Informationssammler. Zeig, dass du bereit bist zu bestellen:
Nenne konkrete Produktkategorien, die dich interessieren
Frage nach Mindestbestellmengen und Konditionen
Erwähne deine Vertriebskanäle und dein mögliches Bestellvolumen
Regelmäßigkeit zählt mehr als Größe
Ein Lieferant hat lieber einen zuverlässigen Kunden, der $2,000 pro Monat bestellt, als eine einmalige Bestellung über $10,000. Betone, dass du eine langfristige Beziehung mit regelmäßigen Nachbestellungen aufbauen möchtest.
Methode 1: Online-Verzeichnisse
Der einfachste Einstieg, aber auch der umkämpfteste.
ThomasNet (thomasnet.com)
Was: Verzeichnis für Industrie- und Gewerbelieferanten
Am besten geeignet für: Hersteller und spezialisierte Distributoren
So nutzt du es: Suche nach Produkttyp, filtere nach Fähigkeiten und kontaktiere die Unternehmen direkt
Wholesale Central (wholesalecentral.com)
Was: Verzeichnis mit Großhändlern aus vielen Kategorien
Am besten geeignet für: Allgemeine Waren und eine große Auswahl an Kategorien
Achtung: Die Qualität variiert. Prüfe die Seriosität vor einer Bestellung.
Marken-Websites
Was: Seiten wie „Bezugsquellen“ oder „Händler werden“ auf Marken-Websites
Am besten geeignet für: Autorisierte Distributoren bestimmter Marken finden
So nutzt du es: Suche bei Google nach „[Markenname] autorisierter Distributor“ oder folge Links auf Marken-Websites
Vorteile von Verzeichnissen
Einfacher Zugang.
Guter Einstieg.
Filter nach Kategorie möglich.
Nachteile von Verzeichnissen
Viele nutzen sie, daher gibt es viel Wettbewerb.
Die Qualität variiert stark.
Informationen können veraltet sein.
Tipp: Verzeichnisse sind ein Einstieg, aber keine vollständige Strategie. Die besten Lieferanten findest du meist nicht in öffentlichen Verzeichnissen.
Methode 2: Fachmessen
Persönliche Kontakte sind wertvoll. Auf Fachmessen kannst du Lieferanten treffen, Produkte ansehen und Beziehungen aufbauen, die sich nicht durch unpersönliche E-Mails ersetzen lassen.
Wichtige Fachmessen
Messe
Schwerpunkt
Wann/Wo
ASD Market Week
Allgemeine Waren
Las Vegas, März und August
Toy Fair
Spielzeug und Spiele
New York, Februar
Natural Products Expo
Gesundheit, Bio- und Naturprodukte
Anaheim (West) und Baltimore (East)
ECRM
Verschiedene Kategorien
Mehrere Orte
GlobalShop
Einzelhandelsprodukte
Verschiedene Orte
So nutzt du eine Fachmesse
Früh anmelden: Für qualifizierte Einkäufer oft kostenlos.
Aussteller recherchieren: Überlege vorab, wen du treffen möchtest
Visitenkarten mitbringen: Und deine Unternehmensunterlagen
Gute Fragen stellen: Sammle nicht einfach nur Kataloge
Innerhalb von 48 Stunden nachfassen: Solange man sich noch an dich erinnert.
Was du auf Fachmessen sagen kannst
„Hallo, ich bin [Name] von [Unternehmen]. Wir verkaufen auf Amazon und suchen zuverlässige Lieferanten in der Kategorie [Kategorie]. Können Sie mir etwas über Ihr Distributor-Programm erzählen?“
Sei direkt und erwähne Amazon gleich zu Beginn. So weißt du sofort, ob das Unternehmen mit Amazon-Sellern arbeitet.
Vorteile von Fachmessen
Persönliche Beziehungen aufbauen.
Produkte ansehen und anfassen.
Direkt verhandeln.
Lieferanten treffen, die online nicht gelistet sind.
Nachteile von Fachmessen
Reisekosten ($500-$2,000+ pro Messe)
Zeitaufwand (2 bis 4 Tage)
Wirksamkeit erfordert Vorbereitung.
Methode 3: Direkte Kontaktaufnahme
Diese Methode erfordert den größten Aufwand, kann sich aber am meisten lohnen. Kontaktiere Lieferanten direkt per E-Mail oder Telefon.
Ansprechpartner finden
LinkedIn: Suche bei passenden Unternehmen nach „Vertriebsmitarbeiter“ oder „Kundenbetreuer“
Unternehmens-Websites: Suche nach Seiten wie „Kontakt“, „Großhandel“ oder „Händler werden“
Google: Suche nach „[Firmenname] Großhandelskontakt“ oder „[Firmenname] Vertrieb“
Eine E-Mail-Vorlage, die funktioniert
Betreff: Anfrage zu einem Großhandelskonto, [Name deines Unternehmens]
Hallo [Name],
ich bin [Dein Name], Inhaber von [Dein Unternehmen], einem Einzelhandelsunternehmen mit Schwerpunkt auf Produkten aus der Kategorie [Kategorie]. Wir verkaufen auf Amazon und möchten unser Lieferantennetzwerk um zuverlässige Anbieter erweitern.
Ich interessiere mich dafür, bei [Firmenname] ein Großhandelskonto zu eröffnen. Besonders interessieren wir uns für [konkrete Produktlinie oder Kategorie, falls bekannt].
Könnten Sie mir bitte Folgendes zusenden?
Informationen zu Ihrem Großhandelsprogramm.
Ihren aktuellen Katalog und Ihre Preisliste.
Mindestbestellmengen.
Informationen zum Bewerbungsprozess.
Unser Unternehmen hat seinen Sitz in [Bundesstaat], und wir haben eine gültige Wiederverkaufsbescheinigung. Wir suchen langfristige Lieferantenbeziehungen mit regelmäßigen monatlichen Bestellungen.
Vielen Dank für Ihre Zeit. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.
E-Mails bleiben unbeantwortet. Ein Anruf bringt Antworten.
Gesprächsleitfaden:
„Hallo, ich bin [Name] von [Unternehmen]. Ich möchte ein Großhandelskonto eröffnen. Wer ist für Anträge auf neue Konten zuständig?“
Wenn du die richtige Person erreicht hast, sag:
„Wir sind ein Einzelhandelsunternehmen und verkaufen auf Amazon. Unser Schwerpunkt ist [Kategorie], und wir suchen zuverlässige Lieferanten. Können Sie uns dabei weiterhelfen?“
Die Menge macht's
Bei der direkten Kontaktaufnahme zählen die Zahlen:
20 Lieferanten kontaktieren → 5 bis 8 Rückmeldungen → 2 bis 3 Zusagen → 1 Lieferant, bei dem sich Bestellungen lohnen.
Plane mit vielen Anfragen. Setze dir ein Ziel von 10 bis 20 Kontaktversuchen pro Woche.
Nachfassen
Die meisten Lieferanten antworten nicht auf die erste E-Mail. Fasse nach:
Tag 3 bis 4: Kurze Nachfass-E-Mail
Tag 7 bis 10: Anrufen
Tag 14: Letzte E-Mail
Danach geht es weiter. Nicht reagierenden Lieferanten hinterherzulaufen, kostet Zeit.
Methode 4: Rückwärtsrecherche
Beginne mit profitablen Amazon-Produkten und suche von dort aus nach den passenden Lieferanten.
So gehst du vor
Finde profitable Produkte auf Amazon: Nutze RocketSource oder suche manuell
Finde die Marke heraus: Prüfe das Angebot, die Produktbilder und die Verpackung
Recherchiere die Marke: Wer stellt das Produkt her? Wer vertreibt es?
Kontaktiere die Marke oder den Distributor: Bewirb dich um ein Großhandelskonto
Prüfe, ob sich der Einkauf lohnt: Vergleiche den Großhandelspreis mit dem Amazon-Preis
Markeninformationen finden
Produktkennungen zu verstehen ist entscheidend. Hintergrundinformationen findest du in unserem Leitfaden zu ASINs.
Proaktiv kommunizieren: Sprich Probleme frühzeitig an
Fair verhandeln: Verhandle angemessen und mache keine beleidigenden Angebote
Bessere Konditionen verhandeln
Sobald du etabliert bist, also nach 3 bis 6 Monaten mit regelmäßigen Bestellungen:
Mengenrabatte anfragen: „Welche Preise bieten Sie bei einem monatlichen Volumen von $X an?“
Längere Zahlungsziele anfragen: 30 Tage → 45 oder 60 Tage
Exklusivität ausloten: „Würden Sie im Gegenzug für eine feste Abnahmemenge die Zahl Ihrer Amazon-Seller begrenzen?“
Früheren Zugang zu neuen Produkten anfragen: Vorabzugang zu Neuerscheinungen
Dein Lieferantennetzwerk erweitern
Um Empfehlungen bitten: „Kennen Sie andere Distributoren, die mit Amazon-Sellern zusammenarbeiten?“
Lieferantenveranstaltungen besuchen: Beziehungen über einzelne Bestellungen hinaus aufbauen
In Kontakt bleiben: Dich regelmäßig melden, auch wenn du gerade nicht bestellst
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Lieferanten brauche ich?
Beginne mit 3 bis 5 aktiven Lieferanten. Erfolgreiche Großhandelsverkäufer arbeiten mit der Zeit meist mit 15 bis 30+. Mehr Lieferanten bedeuten mehr Produktchancen und weniger Abhängigkeit von einer einzelnen Quelle.
Wie lange dauert es, bis ich zugelassen werde?
Das ist sehr unterschiedlich: Manche sagen noch am selben Tag zu, andere brauchen 2 bis 4 Wochen und viele antworten gar nicht. Baue dir eine laufende Pipeline auf und kontaktiere weitere Lieferanten, während du auf Rückmeldungen wartest.
Was kann ich tun, wenn Lieferanten mich als Amazon-Seller ablehnen?
Das kommt häufig vor. Diskutiere nicht, sondern bedanke dich und mach weiter. Manche Seller sprechen lieber von „Onlinehandel“ statt ausdrücklich von „Amazon“. Das kann allerdings nach hinten losgehen, wenn der Lieferant nachprüft.
Benötige ich ein Ladengeschäft, um zugelassen zu werden?
Manche Lieferanten verlangen ein stationäres Geschäft, viele arbeiten aber auch mit reinen Onlinehändlern. Sei offen mit deinem Geschäftsmodell. Eine Zulassung unter falschen Angaben führt später zu Problemen.
Sollte ich für Lieferantenverzeichnisse oder -listen bezahlen?
Im Allgemeinen nicht. Kostenlose Ressourcen decken den größten Teil des Bedarfs ab. Bezahlte Verzeichnisse können in Nischenbranchen gelegentlich nützlich sein, aber die meisten online verkauften „Großhändlerlisten für Amazon“ sind veraltet oder nutzlos.
Dein Aktionsplan: Erste Lieferanten finden
Woche 1 bis 2
Unternehmen anmelden und Wiederverkaufsbescheinigung besorgen
Professionelle E-Mail-Adresse und einen einfachen Unternehmensauftritt einrichten
Liste mit 50 potenziellen Lieferanten erstellen (Verzeichnisse und Rückwärtsrecherche)
Woche 3 bis 4
20 bis 30 E-Mails zur direkten Kontaktaufnahme senden
Bei ausbleibenden Antworten nachfassen
Anträge über gefundene Lieferantenportale stellen
Woche 5 bis 6
Weitere Lieferanten kontaktieren (10 bis 15 neue Kontakte pro Woche)
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